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Die folgenden Texte gehören in den größeren Kontext einer »sensiblen Medizin«, an deren Entwicklung Ärzte verschiedener Fachrichtungen und andere Gesundheitsarbeiter beteiligt sind. Sensible Medizin, auch „Erinnerungsmedizin“ genannt, bedeutet ein der Wahrnehmung verpflichtetes ärztliches Vorgehen, das die Sprache und das Zuhören als zentrales Diagnostikum und Therapeutikum einsetzt. Dies erfordert eine rezeptive ärztliche Haltung, eine Haltung der Langsamkeit, des Abwartens - als Gegengewicht zur apparativen, aktiven und invasiven Medizin, die auf Entscheiden und Handeln setzt. Sensible Medizin konzentriert sich auf die körperlichen Empfindungen der Patienten, ihre Beschwerden (Schwindel, Schmerz, Übelkeit, Müdigkeit, Unruhe), auf ihre Selbstwahrnehmung, ihre Gefühle und Affekte, ihre Erinnerungen, ihre Träume, auf die subjektive Seite der Krankheit. Am wichtigsten ist, was die Patienten mitzuteilen, zu erzählen haben. Schon in der Schilderung ihrer Beschwerden sind biographische Erzählungen, offener oder verschlüsselt, enthalten.

Die Texte zeigen

  • durch welche Bedingungen den Patienten in der Klinik das Erzählen ermöglicht, das Narrativ erleichtert wird
  • wie sehr das Narrativ dem Arzt eine sichere Diagnose erleichtert
  • wie drastische und anhaltende Beschwerden sich mildern oder verschwinden können, sobald das Erzählen – und das achtsam verstehende Zuhören des Arztes – möglich wurde.

Mrz 28 10

Welche Heilmittel braucht die Medizin?

by admin

1. Die Medizin braucht ein Anti-Hybris-Mittel. Sie muss lernen, dass man nicht alles durchleuchten, aufklären, nicht alles heilen kann, dass Krankheiten nicht Defekte sind, die repariert werden müssen, sondern einen Sinn und eine Bedeutung haben für den Betroffenen und seine Umgebung.
2. Die Medizin braucht Übersetzer der Körpersprache, die verstehen, was an die Nieren geht, auf den Magen [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 8 | Spätdyskinesien-Epidemie

by admin

Als Bahnfahrerin entdecke ich auf fast jeder Fahrt durch die Stadt ein oder zwei Fahrgäste, Frauen und Männer, mit extrapyramidalen Hyperkinesen: perioralen Zuckungen, Wälzbewegungen der Zunge, Kauen, Schlucken, zuweilen auch diskreten Hyperkinesen der Halsmuskulatur mit leichtem Torticollis, blepharospastische Phänomene mit Zukneifen und Aufreißen der Lider, Blickkrämpfe, Zucken der Finger. Die meisten Fahrgäste mit diesen [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 7 | Sterbehilfe

by admin

Zur Umfrage: Soll der Arzt die Todespille reichen?
Wenn ich in meiner über 3o-jährigen ärztlichen Tätigkeit von todkranken Patienten die Frage zu hören bekam: „Nicht wahr, Frau Doktor, wenn es so weit ist, dann geben Sie mir doch die Spritze/die Pille…“, habe ich diese Frage nie direkt, schon gar nicht mit ja oder nein beantwortet. Ich [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 6 | Retrograde Amnesie – cerebral versus psychogen

by admin

Die retrograde Amnesie nach Commotio cerebri muß von der seelisch erzeugten „dissoziativen“ Amnesie nach Unfällen abgegrenzt werden. Diese pathogenetisch so verschiedenen klinischen Phänomene sind beide als sinnvolle Antwort auf die Erschütterung im Sinne des Selbstschutzes zu verstehen.
Eine anhaltende seelische Labilität, eine sog. posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt sich deshalb überwiegend nach Unfällen ohne cerebrale Schädigung, ohne [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 5 | Raynaud-Phänomen – Digiti mortui

by admin

Die anfallsartige, meist durch Kälteexposition ausgelöste Taubheit und Leichenblässe der Finger mit dem Gefühl des Abgestorbenseins (Digiti mortui) wird auf eine Übererregbarkeit von
α2 -Rezeptoren zurückgeführt. Diese Auffassung leuchtet ein, erklärt aber nicht, warum oft nur einzelne Finger betroffen sind, sogar nur ein Fingerabschnitt und in vielen Fällen gerade nicht der distale.
Passager exazerbierende Phasen können zu [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 4 | Phantomschmerz – Verlustschmerz – Trauerarbeit

by admin

Phantomschmerz kann neurologisch und psychosomatisch verstanden werden. Der Deafferen-zierungsschmerz nach Amputation kommt neurophysiologisch so zustande, daß neben den schmerzleitenden dünnen A-Delta- und C-Fasern die schmerzhemmmenden dicken A-Beta-Fasern durchtrennt wurden, so dass Berührungs-, Bewegungs- und Schmerzreize ungefiltert in die zum amputierten Glied gehörenden (spinalen und cerebralen) Schmerzverarbeitungsareale gelangen. Der Phantomschmerz beginnt mit Latenz von Tagen / [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 3 | Diabetes mellitus und Angst

by admin

Die ersten Symptome eines Diabetes mellitus zeigen sich oft in einer Situation exacerbierender Angst. Auch andere klinische Phänomene weisen auf eine Verbindung von Diabetes und Angst hin: Patienten mit schwer einstellbaren, schwankenden Blutzuckerwerten berichten von Unruhe, Zittern und Schweißausbruch bei Unterzuckerung (entkoppelter Ruhezustand, vergleichbar soma-tisierten Angstsymptomen), von angenehmer Beruhigung bei hohem Blutzuckerspiegel, den sie deshalb [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 2 | Psychogener Schwellfuss

by admin

Wir sehen auf der psychosomatischen Station immer wieder phasenweise, vor allem bei Schmerzpatienten, fluktuierende, meist einseitige Schwellungen an Händen, Füssen, Unterschenkeln, die medizinisch keine Erklärung finden. Die Patienten klagen zeitgleich über vermehrte, anfallsartig exazerbierende Schmerzen in der selben Extremität, einen unerträglichen Druck von innen, „zum Platzen“. -
Psychodynamisch ist in diesen Behandlungsphasen die Arbeit der Patienten [...]

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Mrz 28 10

Rundbrief 1 | Psychosomatische Aspekte bei Wundheilungsstörungen

by admin

Kütemeyer M1 Jung H2, Eren S3, Ghofrani A³, Reifenrath M3, Krein R3
1Abteilung Psychosomatik, 2Allgemeinchirurgie, ,3Plastische Chirurgie, St. Agatha-Krankenhaus, Köln-Niehl
Angeregt durch die „zufällige“ Beobachtung einer überraschenden Wundheilung nach psychosomatischer Intervention, wurden seit 199o alle Patienten mit chronischen Wunden in der Plastisch-Chirurgischen Abteilung unseres Hauses psychosomatisch untersucht und, abhängig von der Bereitschaft der Betroffenen, konsiliarisch mitbetreut.
Ziel der [...]

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